Gästezimmer
Mindestens ein 3-Sterne-Hotel.
Als Gastgeber übernimmt man Verantwortung für das Wohlbefinden meiner Gäste für einige Nächte. Dessen muss man sich bewusst sein, wenn man ein Gästezimmer anbietet. Gästezimmer sind selten nur Gästezimmer. Es sind Wohnzimmer, Arbeitszimmer, Hundezimmer, ehemalige Kinderzimmer, oder sogar die Küche.
Bei uns war unser „Schrankzimmer“ früher gleichzeitig das Gästezimmer. Das Schrankzimmer war ein riesiges Zimmer mit einem verspiegelten Schrank der von einer Wand zur anderen ging und das Zimmer wie einen Tanzraum aussehen ließ, nicht gerade das kuscheligste Gästezimmer.
Die multifunktionale Nutzung des Zimmers kann das Gästezimmer ziemlich ungemütlich machen. Ich habe sehr viel Erfahrung mit privaten Gästezimmern und Hotelzimmern gesammelt und möchte euch von den Tops und Flops in Gästezimmern berichten.
Ehrlich sein
Beim Gästezimmer muss man ehrlich zu sich selbst und zu den Gästen sein. Ist es wirklich dieser Bezeichnung würdig? Wenn nicht, sollte man vielleicht lieber sagen, es ist nur ein Bett/Sofa, dass ich anbieten kann.
Was muss rein
Wenn man vor hat Gäste einzuladen und es ernst meint, sollte man versuchen mit dem Schlafplatz mindestens das 3-Sterne-Hotel-Niveau zu erreichen. Ein ordentliches Bett auf dem man bequem schlafen kann. Bettwäsche und Bettdecken ohne Flecken, am besten weiß und knitterfrei. Ein paar Handtücher. Diese am besten auf dem Bett, dann weiß der Gast dass es seine sind. Grundsauberkeit, die sich von selbst versteht, auch im Bad. Viel mehr braucht der Gast eigentlich nicht. Hat man aber einen freien Schrank, kann man diesen zur Verfügung stellen, dieser muss aber wirklich frei sein.
Was darf nicht drin sein
Versucht euer Gästezimmer wie ein Hotelgast zu sehen. Was würde euch dazu bringen das Geld zurück zu verlangen oder euch nicht wohl zu fühlen? Staub und Flecken auf dem Teppich oder auf Möbeln? Auch Kram und Nippes, sowie persönliche Sachen haben nichts im Gästezimmer verloren. Wenn man die Gästezimmerschränke als Abstellraum benutzt, sollten die Gäste dies nicht sehen müssen. Vielleicht kann man Kindersicherung an die Türen anbringen, dann gehen die Schranktüren nicht von allein auf. Ich würde nur ungern einen alten Toaster voller Krümel oder einen eingestaubten Plastikweihnachtsbaum im Zimmer, wo ich schlafen muss, sehen.
Auch sollten keine Kleidungsstücke rumhängen, weder an den Türen, noch an den Ständern. Hat man einen Kleiderständer im Zimmer, macht diesen für die Gäste frei. Steht ein Schreibtisch im Raum, räumt man den komplett leer. Auch den Papierkorb muss man komplett leeren. Das Gästezimmer ist auch kein Friedhof für ungeliebte Zimmerpflanzen, Bilder, Familienfotos. Nicht schön machen sich auch Umzugskartons im Gästezimmer.
Räumt auch alles weg, was schlecht riechen könnte. Hundebett, Duftbäumchen und Kerzen, Reinigungsmittel, Farben, Nagellacke, getragene Schuhe.
Zimmer zum Gästezimmer umbauen
Wenn ich ein Gästezimmer einrichten würde, würde ich nach nach diesem Prinzip vorgehen: Alles raus und nur das Nötige rein.
- Was brauchen meine Gäste wirklich?
- Sind die Möbel noch gut genug?
- Was sieht gut aus?
Sind die alten Möbel, die ich habe, vielleicht so schlecht dass man lieber für 50€ ein neues Bett bei Kleinanzeigen kaufen sollte? Das Gästezimmer ist kein Abstellraum für ungeliebte Möbel. Der Platz für ungeliebte Möbel ist bei jemand anderem oder auf dem Recyclinghof.
Das Gästezimmer sollte einfach zu reinigen sein und clean aussehen. Deshalb sollten da wirklich keine unnötigen Möbel rein. Ein Bett, vielleicht ein Tisch mit einem Stuhl, ein kleiner Kleiderschrank und Spiegel. Ich würde statt des Kleiderschranks fast lieber einen hochwertigen Kleiderständer reinstellen. Pflanzen sind im Zimmer nur zu empfehlen, wenn man sich drum kümmern will. Ein Sofa ist im Gästezimmer eigentlich unnötig, es sei denn es ist groß genug.
Das Gästebett
Was das Bett angeht, ich würde niemals eine Rückenlehne aus Stoff nehmen oder Leder. Stoff kann man nicht reinigen, Leder ist Tierquälerei und riecht komisch.
Matratze
Die Matratze, sollte keine alte ausgemusterte Matratze sein, auf der man selbst nicht mehr schlafen möchte. Auf die Matratze gehört unbedingt ein Matratzenschutz. Am besten ein wasserundurchlässiger. Sehr praktisch falls Kinder zu Besuch da sind oder der Gast im Bett etwas trinkt und es verschüttet. Auch starkes Schwitzen und Probleme mit der Blase könnten die Matratze zerstören. Es gibt für den nächsten Gast nichts ekligeres als undefinierte bunte Flecken auf der Matratze. Den Matratzenschutz kann man einfach waschen und das sollte man auch regelmäßig tun.
Bettwäsche für Gäste
Bettwäsche für Gäste sollte komplett waschbar sein. Inklusive Matratzenschoner, Bezüge, Decken und Kissen.
Um nicht zu viel anzuhäufen, sollte man überschlagen wie viele Gäste man voraussichtlich gleichzeitig haben wird und wie oft diese kommen werden.
Bettwäsche, Kissen, Decken. Auch hier, keine ausgemusterten Sachen anbieten. Gästebettwäsche muss besser sein als die eigene, was auch Sinn mach. Die Gästebettwäsche wird wenig benutzt und sollte auch so aussehen. Was ich am meisten hasse am Gästebett, ist die Decke zu beziehen. Man macht es für wenige Tage und dafür ist der Aufwand sehr groß. Ich habe 2 für mich gute Strategien:
Die erste ist, 1-3 dünne Decken zu kaufen, die bereits gut von außen aussehen und nicht wie eine nackte Decke. Diese sollten bei 60 Grad waschbar sein. Solche Decken werden nicht mehr bezogen, sondern wie Bettwäsche nach jeder Benutzung gewaschen. Eine Decke mit Spannbetttuch passen dabei immer noch in eine Waschmaschinenladung.
Die zweite Strategie ist genau die Gleiche wie die erste, nur nimmt man noch ein extra Bettlaken unter die Bettdecke, wie in vielen Hotels. So muss man die Decke nicht beziehen. Die Decke muss man aber jedes mal waschen da beim Schlafen das Lacken verrutscht und Gäste auch dreckige Sachen wie Taschen auf die Decke ablegen. Je nach Gast natürlich. Aus Respekt vor dem nächsten Gast, muss man die Decke waschen.
Pro Gästebett braucht man nur ein Set Bettwäsche. Wenn man immer ein Kommen-und-Gehen hat und es nicht schafft zwischendrin die Bettwäsche zu waschen, braucht man 2 Sets pro Bett.
Wenn man im Gästezimmer einen Schrank hat, ist das genau der richtige Platz für die Gästebettwäsche und Gästehandtücher.
Ohne Gästebettwäsche
Wenn man Gäste einlädt, die man gut kennt und wenn diese mit dem Auto kommen, kann man sie bitten Bettzeugs selbst mitzubringen. Viele aus meiner Familie bieten es immer von selbst an. Wir selbst bringen IMMER unsere eigene Bettwäsche mit. Es ist umweltfreundlicher und einfacher für die Gastgeber. Am besten schon bezogene Decken eine für drunter, eine zum zudecken. Wenn man ein Kissen braucht, auch ein Kissen. In eine großem Müllsack gesteckt, dann bleibt die Bettwäsche auch sauber und der Sack kann später weiterverwendet werden.
Das nächste Mal testweise einfach BYOB in die Einladung schreiben.
BYOB: Bring your own bedding. Bring deine eigene Bettwäsche.
Foto: Sidekix Media (bearbeitet)